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| Der Weg in die Krise |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Dienstag, den 08. November 2011 um 13:48 Uhr |
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Die Finanzkrise hat ihre Ursprünge in einem von den führenden Stellen in den USA gewollten oder doch zumindest tolerierten System, mit dessen Hilfe es möglich war trotz eines gewaltigen Außenhandelsdefizit, die Arbeitslosigkeit und Inflation gering und das Wirtschaftswachstum hoch zu halten.
In diesem System konnte die US-amerikanische Notenbank, die FED, die Zinsen niedrig halten, da die Inflation durch drei Faktoren im Zaun gehalten wurde. Auf der einen Seite stehen die Rationalisierung als Ergebnis des IT-Booms/der IT-Blase in den 90er Jahren und die günstigen Importe in der wachsenden Globalisierung. Auf der anderen Seite stehen die Beschäftigten in den USA, die auf die ersten beiden Faktoren mit Lohnzurückhaltung reagieren mussten.
Die günstigen Importe speziell aus China führten dazu, dass sich Investitionen – trotz der geringen Zinsen und der Lohnzurückhaltung – in Produktionsstätten innerhalb der USA kaum lohnten. Kein Industrieland hat gemessen an der Wirtschaftsleitung so wenig Industrie wie die USA. Es war lohnender in Bereiche zu investieren, deren Produkte global nur bedingt handelbar sind: Dienstleistungen und Bau.
Das Außenhandelsdefizit
Die Kehrseite dieser Entwicklung, der fortschreitenden De-Industrialisierung war, dass die Importe stiegen und die Exporte dagegen noch weiter zurück fielen. Wenn ein Staat mehr Geld für Importe zahlt als durch Exporte einnimmt, muss diese Lücke durch geeignete Instrumente geschlossen werden. Eine Möglichkeit sind Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen wie der Kauf von Voicestream durch die DTAG oder der Kauf von Chrysler durch Daimler. Ähnlich verhält es sich mit dem Kauf von US-amerikanischen Aktien durch internationale Investoren. Dies ist ein Grund dafür, dass der Dow Jones, gemessen an Indikatoren wie dem KGV, stets höher bewertet ist, als der Leitindex eines exportorientierten Landes wie dem DAX.
Einfacher noch als das Anlocken von Investoren in ein Land mit Außenhandelsdefizit ist die Ausgabe von Schuldscheinen. Chinesen – und vor ihnen die Japaner – lassen sich gerne (per Saldo) mit US-amerikanischen Staatsanleihen bezahlen. Auch in Deutschland lagern diese Bonds, aber die cleveren Deutschen wollten mehr; mehr als Bonds, Aktien und Unternehmern, sie wollten etwas Werthaltiges wie Gold: Betongold, Immobilien. Und die USA lieferte.
US-amerikanische Immobilien
Die Preise der Waren und Dienstleitungen in den USA blieben trotz der Zinsen unter Kontrolle. Nur in einem Sektor stiegen die Preise scheinbar unaufhaltsam.
Seitdem die Zinsen auch in Deutschland auf historisch geringem Niveau sind, denken viele Haushalte darüber nach, ein Eigenheim anstatt der Miete zu finanzieren. Banken finanzieren gerne 80% des Kaufpreises eines Hauses, das als Sicherheit dient, sofern Zins und Tilgung durch das Einkommen gesichert sind. Eine Folge niedriger Zinsen sind steigende Hauspreise, die wir auch in Deutschland beobachten, da sich die finanzielle Belastung der Erwerber in Grenzen hält, und somit mehr potentielle Käufer auf den Markt kommen.
Diese Konsumtätigkeit (auf Pump) und der ausgelöste Bauboom (auf Pump) führte zu einer steigenden Beschäftigung im Konsumnahen Bereich und in der Bauwirtschaft. Die jahrelange hohe Beschäftigung wird in den USA gerne als Normalzustand angesehen. Und die hohe Arbeitslosigkeit heute als Ausnahme. Richtiger ist wohl, dass die Arbeitslosigkeit durch den Aufbau von Auslandsschulden und Vorzieheffekten beim Bau unnatürlich niedrig gehalten wurde, und heute durch den Abbau von Überkapazitäten nur mäßig schlechter als das Potential ist.
CODs
Die Immobilien gehörten nicht wirklich den Familien, da sie bis zum Dachfirst verschuldet waren. Diese Forderungen der Banken gegen die Haushalte mussten irgendwie nutzbar gemacht werden, um die Forderungen des Auslands – speziell Deutschlands – zu befriedigen.
Nachdem nun die FED (mit niedrigem Leitzins), die Regierung (mit Anreizen) und die Geschäftsbanken (mit Hypotheken) ihren Teil geleistet hatten, traten die Investmentbanken und Rating-Agenturen auf den Plan. Die Investmenthäuser sammelten (gerne über quasi-staatliche Unternehmen wie Freddie Mac und Fannie Mae) Hypotheken zusammen und bündelten sie zu „strukturierten“ Produkten, die man CDOs (Collateralized Debt Obligation) nannte und an das Ausland zu Tilgung der Außenhandelsverbindlichkeiten weiterreichen konnte. Die Rating-Agenturen versahen die Produkte mit Bestnoten, da jede einzelne Hypothek vielleicht ausfallen konnte, aber nicht damit zu rechnen war, dass alle gleichzeitig ausfielen.
Der Schneeball
Alle Parteien hatten ihre Ziele erreicht. Die Familien hatten ihr „eigenes“ Heim und jährliche Hypothekentranchen. Die Ziele der FED – hohe Beschäftigung und geringe Inflation – waren erfüllt. Bei den Unternehmen (besonders Bau und Konsum) brummte das Geschäft. Die Regierung konnte ein hohes Wirtschaftswachstum vermelden. Geschäftsbanken, Investmentbanken und Rating-Agenturen verdienten prächtig. Und auch das Ausland war mit den bombensicheren Papieren sehr zufrieden.
Allerdings basierte dieses System, wie alle (Schneeball-) Systeme mit denen man Geld generiert aber nicht erwirtschaftet, auf der Zufuhr neuer Teilnehmer. Die Nachfrage nach Häusern musste aufrecht erhalten werden, auch wenn alle Haushalte, die sich eine Immobilie halbwegs leisten konnten, schon eine hatten. Also mussten gesellschaftliche Schichten angesprochen werden, die sich gar keine Immobilien leisten konnten: das sogenannte Sub-Prime Segment. Denn auch diese Familien können sich den Gesetzen des Schneeballs ein Haus leisten, solange der Schneeball rollt.
Eine Immobilienfinanzierung verlangt eine Sicherheit (die Immobilie) und die fortlaufende Zahlung der Zinsen (und eigentlich auch der Tilgung). Ist nun ein potentieller Käufer nicht in der Lage die Zinsen zu zahlen, reduziert man einfach den anfänglichen Zins und wartet bis sich der Wert der Immobilie über die Verbindlichkeit entwickelt hat. Dann vergibt man eine neue Hypothek, die zur Zahlung der Zinsen verwendet wird. Im Zweifel parkt der neue Hausbesitzer die Zinslast kurz zu fröhlichen 10-25% auf seiner Kreditkarte, bis die nächste Hypotheken-Tranche fällig wird.
Wenn allerdings auch diese Käuferschichten irgendwann ausgedünnt sind, schwächt sich – anfänglich ganz langsam – die Nachfrage ab. Die Häuserpreise steigen – anfänglich nur etwas – weniger stark, und die jährlichen Tranchen für den Konsum oder eben für die Zinsleistungen werden etwas kleiner. Reichen diese Tranchen im schwächsten Segment nicht mehr, um sich über Wasser zu halten, platzen die ersten Kredite. Die Häuser gehen zurück auf den Markt. Der Hauspreisanstieg schwächelt und wird gestoppt, wird leicht negativ (Frühjahr 2007). Nun kommen weitere Haushalte in die Bredouille. Die Hypotheken übersteigen den Wert der Sicherheit. Die Refinanzierung wird teurer, die Hypothekenzinsen (nicht die Leitzinsen) steigen, wegen fallender Bonität. Immer mehr Häuser müssen verkauft werden, werden zwangsversteigert. Die Preise sinken wegen des Überangebotes weiter, und weitere Kreditnehmer geraten unter Wasser.
An diesem Punkt platzen die so sicheren Kreditbündel, die CDOs. Die vermeintliche Sicherheit aufgrund der großen Streuung der Risiken gilt nicht mehr, da der Markt als Ganzes kippt.
Die Globalisierung der Krise und die (aktuellen) Spätfolgen
Abgesehen davon, dass ein Schwächeanfall eines weltweit wirtschaftlich vernetzten und noch dazu riesigen Landes immer eine Schwächung der Handelspartner nach sich zieht, gibt es einen Aspekt, der diese Krise noch schlimmer für die Weltwirtschaft machte. Banken – Große wie Kleine – in den USA und in den Gläubigerländern gerieten wegen Forderungsausfällen in Schieflage. Das zerstörte das Vertrauen der Banken untereinander. Und auch gesunde Institute konnten kurzfristige Verbindlichkeiten (denen in der Regel sichere langfristige Forderungen gegenüberstanden) nicht mehr refinanziert, und eine Bank nach der anderen geriet in Liquiditätsprobleme, was wiederum die Kreditvergabe an die Wirtschaft reduzierte und zu einem (zusätzlichen) Abschwung führte.
Die Liquiditätskrise der Banken konnte durch Zentralbankgeld abgemildert werden, wenngleich die Zentralbanken jene Risiken eingehen musste, zu denen die Geschäftsbanken im Geschäft untereinander nicht mehr bereit waren.
Die tatsächlichen Forderungsausfälle, synonym den Werteverfall der Immobilien, der Hypotheken und der CDOs mussten die Gläubiger in den USA und in der Welt jedoch realisieren. In ruhigen Zeiten können Banken ihr durch Verluste reduziertes Eigenkapital durch die Ausgabe neuer Aktien wieder erhöhen. Das ist für die Altaktionäre unerfreulich, aber noch immer der bessere Weg als eine mögliche Insolvenz. In Krisenzeiten ist das nicht ohne weiteres möglich, da sich die Investoren weigern, ihr gutes Geld dem Schlechten hinterher zu werfen.
Um nun einen kompletten Zusammenbruch der Finanzwelt und damit der gesamten Wirtschaft zu verhindern, sehen sich die Regierungen selbst gezwungen, den Banken frisches Eigenkapital gegen Anteile zur Verfügung zu stellen.
Unabhängig davon, ob die erworbenen Aktiva (ganze Banken, Anteile von Banken oder Wertpapiere in eine Zweckgesellschaft/Bad Bank) einen entsprechenden Wert bei einem späteren Verkauf erlösen können (das ist durchaus denkbar und in der Vergangenheit – z.B. in Schweden – so gewesen), mussten die Staaten dieses Geld zunächst am Kapitalmarkt aufnehmen und ihre Schuldenquote, die durch den Einbruch der Wirtschaftsleistung, daraus folgend sinkender Steuereinnahmen und steigender Aufwendungen für Wachstumspakete ohnehin belastet wurde, ausweiten.
Länder wie Deutschland, dessen Banken als langjähriger Exportweltmeister besonders große Ansammlungen an CDOs besaßen, konnten diese Belastung stemmen. In den USA geriet die Verschuldung auf ein Niveau, dass die Bonität ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vielen schwächeren Ländern erging es wesentliche schlechter.
Die Rating-Agenturen wurden durch ihre Fehler der laxen Bewertung strenger. Vor allem aber wurden die Investoren vorsichtiger und stellten als Lehre der Lehman Pleite auch Schuldner in Frage, die bislang als relativ sicher galten. Die Kreditwürdigkeit schwächerer Schuldner wurde herabgestuft, Kredite wurden nur noch gegen gewaltige Zinsaufschläge vergeben. Die steigende Zinsbelastung hätte nur noch durch frische Kredite getragen werden können. Wie bei den Hypothekenschuldnern in den USA fielen die schwächsten Staaten zuerst durch das Raster. Die Refinanzierung wird teurer, die Hypothekenzinsen (nicht die Leitzinsen) steigen, wegen fallender Bonität.
Dem griechischen Staat standen die Schulden bereits vor der Krise bis zu Hals und stiegen nun über den Kopf, so dass Griechenland jetzt in der dritten Phase der Krise – nach den Hypothekenschuldner und den Banken also die Staaten – durch die Staatengemeinschaft zwangsbeatmet werden muss.
Den Rettern steht das Wasser allerdings schon bis zur Brust, und der Pegel steigt.
…auf der anderen Seite sind nicht alle Hypotheken geplatzt, nicht alle Banken kollabiert und es werden – so die Hoffnung – nicht alle Staaten kippen. |
| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 14. Mai 2012 um 13:46 Uhr |

